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Das Gurukula System – der pädagogische Ansatz im alten Indien für die ganzheitliche Erziehung und Ausbildung von Kindern und Jugendlichen - mit seiner Bedeutung heute

Hier das Skript von Sukadev zu seinem Vortrag auf dem 6. Kinderyoga Kongress am 9.6.2013:

Das Gurukula System – der pädagogische Ansatz im alten Indien für die ganzheitliche Erziehung und Ausbildung von Kindern und Jugendlichen, und welche Elemente davon auch heute von Bedeutung sein könnten

 

4 Lebensalter, in der Menschen sich bewusst entwickeln:

 

Brahmacharya – 8/12-20/25

Grihastya 20/25-50/60 (Berufs- /Familienleben)

Vanaprastha 50/60-70/80 (Frührente)

Sannyasa 70/80 bis zum physischen Tod (Entsagung)

 

Vor 8-12: Spiel, Lernen durch Nachahmen, etc.

 

Brahmacharya Zeit:

-         Kinder verlassen die Eltern und ziehen zur Guru-Familie (Vanaprastha Stadium)

-         Kinder leben beim Guru

-         Kinder helfen im Haushalt mit, kümmern sich um Waschen, Spülen, Landwirtschaft/Handwerk,

-         Berufliches Wissen

-         Bildung

-         Spirituelle Praxis: Hatha Yoga, Rituale, Mantras, philosophische Befragung

-         Einfaches, geregeltes Leben mit Entsagung (Haare rasiert; einfachste Kleidung; einfaches Essen, z.T. täglich zu erbetteln, kaum Kontakte zum anderen Geschlecht)

-         Lernen auf allen Ebenen:

  • Intellektuelle Bildung
  • Praktische Bildung (Beruf/Handwerk)
  • Spirituelle Bildung
  • Beispiel der Guru-Familie
  • Osmose – Lernen durch Telepathie

 

Kann dieses Modell 1:1 umgesetzt werden in der heutigen Zeit?

Nein.

War es besser als die heutige Zeit?

Nein.

Bei allem, was wir an der heutigen Zeit beklagen: Diejenigen, die im pädagogischen Chaos aufgewachsen sind, die ja seit den 60er Jahren herrscht, haben noch keinen Krieg und keinen Bürgerkrieg angezettelt. Irgendetwas muss auch richtig laufen.

 

Können wir daraus Elemente nehmen, die hilfreich sind?

Ja.

Welche Elemente?

(erst ein Mal vorlesen, dann genauer erläutern, was das heißen könnte)

-         Wichtigkeit des „Settings“

  • Gleiche Kinder/Jugendliche in unterschiedlichen Settings sind zu mehr oder weniger Gewalt bereit; Beispiel: Rückgang der Kriminalität in USA, NY (Graffiti, Schwarzfahren beseitigen; Häuserkomplexe mit hoher Kriminalität abreißen)

-         Erziehungsmöglichkeit durch die Eltern hört mit 8/12 Jahren auf

-         Wichtigkeit der Peer Group: Kinder orientieren sich weniger an den Eltern, sondern mehr an Gleichaltrigen (Kinder sprechen im Dialekt ihrer Gleichaltrigen, nicht im Dialekt der Eltern; Kinder von Stummen lernen die Sprache genauso gut wie Kinder von Sprechenden)

-         Wichtigkeit der Lehrerpersönlichkeit

-         Ganzheitliche Bildung

  • Intellekt
  • Praktische Bildung
  • Körperübungen
  • Spiritualität: Meditation, etc.
  • Mithelfen

 

-         Einfachheit: Heute vermutlich nicht mehr machbar

 

Ähnlichkeit zu Klosterschulen bzw. Lehrlinge bei Handwerksmeisterfamilie

Kann man Gurukulasystem für eine kurze Zeit einrichten?

Antwort ganz klar: Ja

Dafür sind Ashrams da. Nach diesem Konzept laufen z.B. bei Yoga Vidya alle Ausbildungen, also nicht nur die Ausbildungen für Kinder.

 

Die Teilnehmer verlassen für eine Weile den gewohnten Kontext, verlassen ihr Berufsleben und Familie und ihren häuslichen Kontext.

 

Sie leben bei ihren Lehrern in der spirituellen Atmosphäre eines Ashrams.

Einfaches Leben ohne Fernseher, Konfort relativ einfach (hier eigentlich zu luxuriös; Vorteil: Westerwald)

Geregeltes Leben mit festen Ritualen

Spirituelle Atmosphäre

Intellektuelles Lernen

Praktische Bildung (praktisches Anwenden: Vorstellstunden, Massagen geben etc.)

Asana Körperübungen

Spirituelle Praktiken: Meditation, Mantra-Singen, Rituale

Mithilfe

 

Man lernt etwas, und wird spirituell berührt.

Kurzausbildungen (5-28 Tage), längere Ausbildungen (mehrmals über längeren Zeitraum), Yoga Vidya Acharya Studiengang: mindestens 3 Jahre Vollzeit-Mitarbeiter

 

Klappt das auch bei Kindern?

Antwort auch hier: Ja

Swami Vishnu-devananda seit den 70er Jahren: Kids Camp

 

Hier im Ashram Umsetzung des Konzeptes in Teilen.

Kinder kommen mit den Eltern

Ashramgemeinschaft

Spirituelle Praxis: Beim Mantra-Singen, Arati, manchmal Satsang mit Kindern

Kinderyoga Hatha Yoga Stunden

Mithelfen beim Aufräumen

Einfaches, gesundes Essen

Spiel, Spaß kommen nicht zu kurz

Mit anderen Yoga übenden Kindern zusammen: Unterstützende Peer Group

Mithelfen beim Aufräumen

Lernen: Yoga; oft verbunden mit Lernen von etwas anderem: Kampfkunst, indischer Tanz, Musik etc.

Oft: Vorführungen

 

Welche Erfahrungen?

Das wäre sicherlich etwas, worüber auch eine wissenschaftliche Forschung gemacht werden könnte.

 

Daher nur anekdotisch:

-         Kinder üben oft zuhause weiter

-         Manche Eltern berichten, dass Notendurchschnitt sich verbessert

-         Rückenschmerzen, Kopfweh verschwinden

-         Kinder werden selbstbewusster; gerade schüchterne Kinder lernen es, selbst aktiver zu werden

-         Für mich sichtbarer: Ich höre mehr über Erfolge bei den ruhigen, schüchterneren Kindern als bei hyperaktiven Kindern

-         Kinder kommen gerne hierher: Manche schleppen die Eltern hierher

-         Es fehlt die Datenlage

-         Allerdings: Die meisten Kinder, wenn jahrelang regelmäßig in den Ashram zu Kinderseminaren gekommen sind, kommen weniger oder gar nicht mehr, wenn sie über 11-13 werden; Ausnahmen bestätigen die Regel

 

Die ganz klassische „Gurukula-Kern-Zeit“ 11-18 Jahre erreichen wir am wenigsten; da fehlt vermutlich der Aspekt der „Bildung“ und des Lernens von beruflich verwertbaren Fähigkeiten; Landschulheimcharakter wäre etwas denkbares – kann sich ja entwickeln

 

Seit einigen Jahren ein kleines Projekt: 9-Tages-Ausbildung: Jugendliche lernen, wie man Jugendliche unterrichtet und praktizieren dabei selbst Yoga

 

Was hieße das außerhalb eines Ashrams?

-         ganzheitliches Setting

-         Intellektuelle Wissensvermittlung, Fähigkeiten, Körperübungen, Entspannungstechniken, Spiritualität

-         Problematik: Weltanschauliche Neutralität

-         Lehrer auch Vorbilder

 

 

Kinderyoga heute

 

Kunterbuntes Allerlei

Kinderyoga in Entwicklung begriffen

 

Asanas, Pranayama, Tiefenentspannung, Meditation, evtl. Mantras

In Verbindung mit Sport, anderer Bewegung, Lieder, Künste, Geschichten

 

Stärke des Yoga: Bandbreite, Kreativität

 

Unter dem „Dach“ des Yoga wird alles zusammengefasst, was im „normalen“ Bildungssystem fehlt und dem entspricht, was die Bhagavad Gita als Yoga lehrt:

 

-         Tun mit Freude am Tun, ohne Wettbewerb, ohne an Ergebnis/äußere Belohnung zu haften (Yoga als Schulfach – Benotung?)

-         Zur Ruhe kommen

-         Kreativität

-         Sich seiner selbst bewusst werden, einschl. Prakriti/Swarupa, Zugang zur inneren Stimme; im Kinderyoga wie im Hathayoga über den Körper

-         Verbundenheit mit anderen

-         Liebe, Verantwortung, für sich selbst, für Mitkinder, Lehrer, Eltern, alle Menschen, die Erde

 

 

 

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